Gesundheit

Delia Klages zu RKI-Hitzezahlen: „Schätzungen zeigen ein Risiko – sie ersetzen keine Ursachenanalyse“

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Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Deutschland bis zum 26. Juli auf rund 11.900, davon etwa 480 in Niedersachsen. Die Zahlen beruhen auf einem statistischen Modell, das Sterbefall- und Temperaturdaten miteinander in Beziehung setzt. Es handelt sich damit nicht um 480 medizinisch festgestellte Einzelfälle.

Dazu Delia Klages, gesundheitspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag:

„Die RKI-Zahlen sind ernst zu nehmen – aber auch richtig einzuordnen. 480 geschätzte Hitzetote bedeuten nicht, dass bei 480 Menschen Hitze als konkrete Todesursache festgestellt wurde. Das RKI ermittelt statistisch zusätzliche Sterbefälle im Zusammenhang mit Hitze. Das ist ein Warnsignal, aber noch keine individuelle Ursachenanalyse. Gerade deshalb muss Gesundheitspolitik genauer hinschauen. Deutschland hat heute eine wesentlich ältere Bevölkerung als vor einigen Jahrzehnten. Viele hochbetagte Menschen leiden unter mehreren Erkrankungen und nehmen gleichzeitig mehrere Medikamente ein. Bestimmte entwässernde oder blutdrucksenkende Arzneimittel sowie Wirkstoffe, die das Schwitzen beeinträchtigen, können die Anpassung des Körpers an Hitze zusätzlich erschweren. Die Landesregierung setzt dagegen stark auf allgemeine Hitzewarnungen, Leitfäden, Faltblätter und Verhaltenstipps. Das Umweltministerium stellt zudem ein 120-Millionen-Euro-Programm für unterschiedlichste kommunale Klima- und Anpassungsmaßnahmen heraus – von Begrünung und Entsiegelung bis zum Hochwasserschutz. Das alles beantwortet nicht die entscheidende gesundheitspolitische Frage: Wie schützen wir den hochbetagten, multimorbiden Menschen, der im Pflegeheim oder Krankenhaus liegt, mehrere Medikamente einnimmt und der Hitze nicht aus eigener Kraft ausweichen kann? Genau hier müssen die Prioritäten liegen: bei gezielter medizinischer und pflegerischer Prävention, der Überprüfung hitzerelevanter Medikation, engmaschiger Betreuung gefährdeter Menschen und wirksamer Abkühlung. Statt jedes Jahr aufs Neue Hitzealarm und allgemeine Verhaltenstipps zu verbreiten, muss die Landesregierung ihre Maßnahmen konsequent auf diejenigen konzentrieren, für die Hitze tatsächlich lebensgefährlich werden kann.“

Delia Klages

Abgeordneter

  • Delia Klages

    Delia Klages

    Sprecherin für Gesundheit, Soziales, Arbeit und Gleichstellung