Der neue Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) weist in der ambulanten Versorgung 516 unbesetzte Praxissitze aus, darunter 436 für Hausärzte. Zugleich sind bereits 35,4 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten mindestens 60 Jahre alt. Nach der KVN-Prognose könnten bis 2040 insgesamt 16 von 105 regionalen Planungsgebieten, für die der jeweilige Hausärztebedarf berechnet wird, unterversorgt sein.
Dazu Delia Klages, gesundheitspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag:
„Mehr Köpfe bedeuten noch keine bessere Versorgung: Weil immer mehr Ärzte und Psychotherapeuten in Teilzeit arbeiten, braucht es inzwischen 122 Personen, um die Arbeitszeit von 100 Vollzeitkräften abzudecken. Zugleich sind 516 Praxissitze unbesetzt und eine erhebliche Ruhestandswelle steht bevor. Entscheidend ist deshalb nicht, ob eine Region statistisch als ausreichend versorgt gilt, sondern ob Patienten tatsächlich einen Arzt erreichen. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat innerhalb von zehn Jahren 36 Millionen Euro investiert, um Niederlassungen und ärztliche Anstellungen in Förderregionen zu unterstützen. Rot-Grün reagierte auf den lange absehbaren Hausärztemangel hingegen erst 2025 mit einem Aktionsplan. Die Landarztquote umfasst lediglich 60 Studienplätze jährlich und wird wegen der langen Aus- und Weiterbildungszeit frühestens in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre zusätzliche Hausärzte hervorbringen. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen werden jedoch jährlich insgesamt 447 zusätzliche Medizinstudienplätze benötigt. Das Land muss ihre Zahl daher deutlich erhöhen, den Zugang stärker nach persönlicher und fachlicher Eignung statt allein nach Abiturnoten ausrichten und verbindlich darlegen, wie es die bevorstehenden Praxisaufgaben in besonders gefährdeten Regionen auffangen will. Ein Aktionsplan, der erst in vielen Jahren wirkt, schließt keine Versorgungslücke, die bereits heute besteht.“
Delia Klages
