Starke Frauen prägen die AfD. Mit Co-Parteichefin Alice Weidel wurde die Partei zur stärksten politischen Kraft in Deutschland. Die schlagfertige Beatrix von Storch lässt im Bundestag die Politiker der Altparteien ein ums andere Mal am Rednerpult tatsächlich alt aussehen. Die niedersächsische Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt, familienpolitische sowie kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion, stellt sich schützend vor Kinder und Jugendliche und legt sich unerschrocken mit der Pädophilenlobby an. Trotzdem sind Politikerinnen auch bei der AfD in der Minderheit. Das ist schade.
Ob ein Mentoring-Programm wie „Frau.Macht.Demokratie“ helfen kann? Das niedersächsische Sozialministerium hatte es ins Leben gerufen. Start war am 24. Januar 2025. Die Abschlussveranstaltung fand am 20. Februar in Hannover statt. Das Programm sollte den Frauenanteil in der Kommunalpolitik erhöhen und zukünftigen Mandatsträgerinnen den Einstieg in die politische Arbeit erleichtern. Die Landtagsabgeordnete Delia Klages, selbst eine prägende Politikerin in der AfD Niedersachsen, hatte als Mentorin teilgenommen. Sie begleitete Frauen, die sich für ein Kommunalmandat interessieren und neu in der Politik durchstarten wollen.
Für sie ist Mentoring keine symbolische Geste, sondern intensive Arbeit: Praxisnahe Begleitung, Einblicke in Mandatsarbeit, Schulungen zu Kommunalrecht und demokratischen Abläufen. Politik lernt man nicht aus Lehrbüchern, sondern im politischen Alltag, Seite an Seite mit kommunalen Mandatsträgern.
Wie formuliert man schriftliche Anfragen an Bürgermeister oder Landräte, wie analysiert man Verwaltungsantworten sachlich und erkennt politische Relevanz, wie entstehen aus Informationen konkrete Anträge und Initiativen – was auf den ersten Blick technisch klingt, ist in Wahrheit das Kernhandwerk politischer Gestaltung. Ohne präzise Anfragen keine klaren Antworten. Ohne Analyse keine politischen Konsequenzen. Ohne strategisches Vorgehen keine wirksamen Initiativen. „Mandatsarbeit heißt: kontrollieren, hinterfragen, nachfassen – und aus Erkenntnissen handlungsfähige Vorschläge entwickeln“, fasst Delia Klages zusammen. „Wer politische Verantwortung übernehmen will, muss Verwaltungsprozesse verstehen und wissen, wo Fallstricke liegen – von unpräzisen Fragestellungen bis hin zu ausweichenden Antworten.“
Auffällig im Mentoring-Programm war die parteipolitische Zusammensetzung. Es wurde überwiegend von Akteuren aus SPD und Grünen geprägt. Frauen mit konservativem Hintergrund waren deutlich unterrepräsentiert. Delia Klages war die einzige Mentorin aus der AfD. Eine öffentlich finanzierte Nachwuchsförderung sollte aber ausgewogen sein. Wenn einzelne Parteien dominieren, entsteht zumindest der Eindruck selektiver Förderung. Delia Klages formuliert es deutlich: „Insbesondere im Jahr der Kommunalwahlen in Niedersachsen ist es wichtig, Frauen für Mandate in den Gemeinde- und Stadträten zu gewinnen. Aber solche Programme dürfen nicht zu parteipolitischen Schulungen mit öffentlichen Mitteln werden.“
Für die Frauen, die sie begleiten konnte, war das Mentoring auf jeden Fall eine konkrete Hilfe beim Einstieg in politische Abläufe. Verwaltungsverfahren verstehen, politische Antworten einordnen, eigene Initiativen entwickeln – hier entstand greifbarer Mehrwert.
Programme allein lösen allerdings keine strukturellen Probleme. Kommunalpolitik ist anspruchsvoll und zeitintensiv. In kleinen Gemeinden ist das Mandat ein Ehrenamt, die Entschädigung steht oft in keinem Verhältnis zum Aufwand. Sitzungen am Abend, hohe Verantwortung, öffentlicher Druck – der politische Alltag ist fordernd. Wer politische Teilhabe stärken will, muss daher an die Rahmenbedingungen heran: bessere Honorierung und eine politische Kultur, die Engagement erleichtert statt erschwert.
Ein Mentoringjahr kann Grundlagen vermitteln und Türen öffnen. Ob daraus tatsächliche Kandidaturen und langfristige Mandatsübernahmen entstehen, zeigt sich erst bei kommenden Wahlen – und über mehrere Jahre hinweg. Ohne wissenschaftliche Begleitung bleibt die Wirkung schwer messbar. Programme können Impulse setzen. Demokratie lebt jedoch von Menschen, die Verantwortung übernehmen – dauerhaft, standhaft und mit klarer Haltung. „Nachwuchsförderung muss ehrlich sein: Politik bedeutet Gestaltung – aber auch Konflikt und Verantwortung“, konstatiert Delia Klages zum Abschluss der Veranstaltung.



