Im US-Spielfilm „Die Truman Show“ von 1998 entpuppt sich die gesamte Realität des Helden als Kulisse. Ein TV-Sender hat sie zwecks Vermarktung seines Lebens um ihn herum errichtet. „Die Truman Show“ nennt Stefan Homburg, Professor für öffentliche Finanzen an der Leibnitz Universität Hannover, auch den zentralen Teil seines Vortrages über die Jahre, in denen das Corona-Virus zur Kulisse für beispiellosen Eingriffe in unser Rechts- und Gesellschaftssystem herhalten musste.
Homburg war mit seinem Vortrag gerngesehener Gast auf der ersten Fraktionsklausur des Jahres 2025. Die 17 Landtagsabgeordneten der AfD trafen sich Anfang März für zwei Tage in Walsrode. Wer die Sitzreihen durchzählte, kam tatsächlich sogar auf 19 AfD-Politiker. Kein Wunder, die erfolgreiche Bundestagswahl ist nicht ohne Folgen für die Landtagsfraktion geblieben. Rocco Kever nahm noch als stellvertretender Fraktionsgeschäftsführer am Treffen teil, wird sich aber demnächst als Bundestagsabgeordneter in Berlin für Niedersachsen stark machen. Das gilt ebenso für den Noch-Landtagsabgeordneten Marcel Queckemeyer. AfD-Politiker Nummer 19 war dann sein Nachfolger Dr. Ingo Kerzel. Der studierte Tierarzt wird nun im Landtag als Fraktionssprecher für die Themen Energie und Umwelt zuständig sein. Abgestimmt wurde auch über die Neuvergabe der wichtigen Bereiche Tourismus und Verbraucherschutz. Ansgar Schledde wird nun das Reiseland Niedersachsen und seine Belange im Landtag zur Geltung bringen, Holger Kühnlenz für den Verbraucherschutz der Bürger eintreten.

Nahezu schutzlos ausgesetzt waren die Bürger den erdrückenden Corona-Zwangsmaßnahmen. Professor Homburgs eindringlicher Vortrag, der unter anderem auf seiner Auswertung der Sitzungsprotokolle des RKI-Krisenstabs beruhte, führte zurück in eine Zeit, die bis heute tiefe Spuren hinterlassen hat. Politiker ließen sich vom Machtrausch-Virus infizieren. Impfrisiken wurden klein geredet beziehungsweise rundweg geleugnet. Die Pandemie, die keine war, machte findige, oft halbseidene Unternehmer zu Millionären und Milliardären. Die Maßnahmen, die vermeintlich schützen sollten, ließen wiederum ganze Branchen sterbenskrank zurück. Die Geschehnisse von damals müssen gründlich aufgearbeitet werden. Da waren sich der Redner und seine Zuhörer einig.
Keine zwei Meinungen unter den Klausurteilnehmer gab es auch darüber, dass die Social-Media-Aktivitäten der Fraktion sehr erfolgreich sind. Ein Vortrag zum Thema machte dies noch einmal deutlich. Bei YouTube beispielsweise liegen die Niedersachsen von allen AfD-Fraktionen in den Ländern auf dem zweiten Platz. Nur NRW verzeichnet mehr Aufrufe. Die Konkurrenz der selbsternannten „demokratischen“ Parteien im niedersächsischen Landtag ist zudem hoffnungslos abgehängt. Wer sich deren Social-Media-Aktivitäten anschaut, weiß auch warum. Einige Beispiele sorgten für große Heiterkeit. CDU, SPD und Grüne fallen auf TikTok, X und Co. mit schrägen Fehlgriffen und unfreiwilliger Komik auf. Ein guter Korrekturleser wäre auch zu empfehlen – zum Beispiel, wenn die Grünen Werbung für den „Nds. Ingetrationspreis 2025“ machen und eigentlich den niedersächsischen Integrationspreis meinen. Aber vielleicht steht die korrekte deutsche Rechtschreibung in deren Augen ja längst unter Rechtsextremismusverdacht.