Kettensägen-Kapitalismus: Was Deutschland von Javier Milei lernen könnte — wenn es sich traut!

von Jürgen Pastewsky

Stellen Sie sich vor, Sie sind Argentinier. Die Preise steigen schneller, als Ihre Laune sinkt. Das Geld in der Tasche fühlt sich an wie ein Eiswürfel in der Sonne: Man sieht es noch — aber man weiß, es wird nicht lange bleiben.

Und dann tritt ein Mann auf die Bühne, der aussieht, als hätte er aus Versehen die Rockmusik-Sektion mit der Politik-Abteilung verwechselt. Er verspricht nicht „Reformen“. Er verspricht keine „Transformation“. Er verspricht eine Kettensäge.

Und genau an dieser Stelle wird es spannend. Denn während die politische Debatte in Deutschland oft wirkt wie ein Spaziergang durch ein Behördenflur-Labyrinth — Aktenordner links, Formulare rechts, und am Ende wartet nicht der Ausgang, sondern die nächste Wartemarke — passiert in Argentinien etwas Ungewöhnliches: Die Wirtschaft fasst wieder Tritt.

Argentinien, das jahrzehntelang als Mahnmal für verpasste Chancen und chronische Misswirtschaft herhalten musste, erlebt 2025 voraussichtlich ein Wachstum des

Bruttoinlandsprodukts von 4,5 Prozent. Für 2026 und 2027 erwartet der Internationale Währungsfonds jeweils vier Prozent. Man könnte sagen: Das Land steht nicht mehr nur auf — es läuft. Vielleicht noch etwas wacklig, aber immerhin nicht mehr rückwärts.

Nur zum Vergleich: Das deutsche Wirtschaftswachstum lag 2025 hingegen bei gerade einmal 0,2 Prozent.

Die Frage lautet also: Was hat Milei getan — und warum sollten wir in Deutschland wenigstens darüber reden?

Man muss Milei eines lassen: Er hatte keinen warmen Start. Als er sein Amt antrat, lag die Inflationsrate bei über 200 Prozent. Wer unter solchen Bedingungen regiert, hat keine Luxusoptionen. Da geht es nicht um „sanfte Anpassungen“. Da geht es ums wirtschaftliche Überleben.

Und Milei entschied sich für eine Methode, die politisch ungefähr so subtil ist wie ein Presslufthammer im Museum: radikale Kürzungen, ein Kampf gegen ausufernde Staatsausgaben, weniger Subventionen, weniger staatliche Überversorgung, weniger Bürokratie.

Es war, wie man so schön sagt, eine Rosskur. Und sie war schmerzhaft. Aber sie hatte einen Effekt: Argentinien sendet ein Signal an Märkte, Investoren, Unternehmen — und vor allem an die eigene Bevölkerung: Wir meinen es ernst.

Natürlich ist Argentinien nicht Deutschland. Aber wer glaubt, wir seien immun gegen lahmende Prozesse, hat vermutlich noch nie versucht, ein Unternehmen zu gründen, ein Haus zu bauen oder eine Genehmigung zu bekommen, ohne dabei innerlich um Jahre zu altern.

Auch bei uns ist der Staatsapparat groß: Rund 5,4 Millionen Menschen arbeiten im öffentlichen Dienst — etwa zwölf Prozent aller Erwerbstätigen, Tendenz steigend.

Der Mittelstand, unser wirtschaftliches Rückgrat, braucht keine neuen Förderprogramme mit 47 Seiten Antrag, sondern Luft zum Atmen: schnellere Verfahren, klare Regeln, niedrigere Hürden. Wer dauerhaft mit Formularen ringt, investiert am Ende nicht in Maschinen, Innovationen oder neue Arbeitsplätze — sondern in Steuerberater, Anwälte und Geduld. Und was heißt das nun für uns? Brauchen wir einen deutschen Kanzler, der die Kettensäge herausholt?

Wir als AfD haben es uns stets auf die Brust geschrieben, mit wirtschaftsfreundlicher Politik unseren Wohlstand zu sichern. Das ist heute notwendiger denn je, denn wir erleben die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Was wir brauchen, ist eines: den Mut zu fragen, was die Aufgaben eines Staates wirklich sind — und was er getrost an Verantwortung abgeben oder konsequent entbürokratisieren muss.

Milei zeigt, dass ein radikaler Schnitt ein Land zumindest wieder in Bewegung bringen kann. Nicht, weil plötzlich äußere Einflüsse alles verändern, sondern weil Prioritäten neu gesetzt werden: weniger Kosten, weniger Umverteilungsromantik, mehr wirtschaftliche Logik — und ja, teilweise eben auch mit der Kettensäge.

Wir müssen das nicht kopieren. Aber wir sollten es ernsthaft debattieren. Denn während Argentinien wieder wächst, haben wir uns hierzulande daran gewöhnt, dass Stillstand irgendwie schon „stabil“ genug sei.

Und vielleicht ist genau das unser Problem: Wir warten, bis die Realität zur Kettensäge ruft — anstatt rechtzeitig selbst in den Werkzeugkasten zu greifen und den Schraubenzieher in die Hand zu nehmen.

Kategorie